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Mein Name ist Sascha Seniuk. Für mich ist die Digitalisierung die Emanzipation des Kunden. Und so gehört meine Liebe nicht nur meiner Tochter, sondern auch modernen Technologien, die unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft voranbringen.

18.12.2017

Multi-Sided Platform (MSP) als Heilsbringer verwaister Innenstädte?

Harvard, Yale, MIT,… Alle namhaften Universitäten haben sich schon mit dem Thema Multi-Sided Platforms (MSPs) beschäftigt. Kurz Zusammengefasst: Eine Multi-Sided Platform bietet meist zwei Benutzergruppen einen gemeinsamen Vorteil. Die Plattform ist in dieser Konstellation nur Mittelsmann. Interessante Beispiele sind hier Airbnb, Uber oder auch Amazon. Wobei letzterer sich erst über die Zeit zu einer MSP gewandelt hat. Sie alle haben aber gemeinsam, dass sie die Reichweite besitzen und Diese an die Teilnehmer verkauft oder vermietet.

In Deutschland gibt es schon etwas länger erste Versuche diese Idee auch in die Innenstädte der Republik zu transportieren. Meist durch Unternehmen aus der Digitalbranche initiiert. Nicht selten sind diese Unternehmen auch nur zu diesem Zweck entstanden. Einen absolut sehenswerten Ansatz verfolgt die Stadt Bonn — Hauptsitz der Deutsche Post AG — mit dem Angebot “AllyouneedCity”. Unter der Feder der DHL Paket GmbH ist hier ein Angebot entstanden das andere Städte neidisch zurück lässt. Der starke Partner kann durch seine Infrastruktur einen echten Mehrwert erschaffen. Die Logistik befindet sich sozusagen in den Händen eines Profis. So kann der Bonner Bürger bequem im Internet Waren lokaler Geschäfte bestellen und bekommt diese auf Wunsch auch noch am selben Tag geliefert. Es wird sogar mit einer Lieferzeit bis 120 Minuten geworben. Sowas muss der Gigant Amazon erstmal mit seinen Drohnen schaffen.

Bei näherer Betrachtung macht sich aber das Gefühl breit, dass hier nach einer schnellen Lösung gesucht wurde um der existenzbedrohenden Innenstadtflucht ins Internet zu entgegnen. Und wie macht man das? Man wirft dem Kunden ein Shoppingportal vor die Füße in dem er sich erstmal zurecht finden muss. Warum glaubt man mit solchen Shopkonzepten heute noch Traktion zu bekommen? Man wird förmlich erschlagen von Angeboten unzähliger Händler. Wieder die gleichen Fehler. Keine Emotionen und Rabatte, Rabatte, Rabatte. Wir transportieren einfach den gleichen Mist aus unseren Stores in ein “Gesamtkonzept Onlineshop” und verkaufen es als Innovation.

Dabei steht der Initiator vor den gleichen Herausforderungen wie andere Städte. Den Händlern vor Ort fehlt es an einem einheitlichem System um ihre Warenbestände digital mit dem Marktplatz abzugleichen. Es fehlen echte digitale Prozesse und das richtige Mindset beim Einzelhändler um wirklich einen Mehrwert für den Kunden zu bieten. Dabei tritt dieses Problem bei großen Filialketten ebenso auf, wie bei kleinen Familienbetrieben. Ohne richtige Strategie kein Erfolg. Es reicht nicht längst überholte Handelskonzepte auf um Hilfe suchende Einzelhändler zu schicken.

Die Miesere wird nochmal deutlich, wenn man einen Blick auf die propagierten Vorteile der Plattform wirft.

  • Nutzen Sie vielfältige Optionen Ihr Geschäft adäquat zu präsentieren.
  • Profitieren Sie von lokalen Marketingaktionen und weiteren vielfältigen Maßnahmen.
  • Ihre Produkte sind rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr verfügbar.
  • Erhöhte Sichtbarkeit Ihres Geschäfts und Ihrer Produkte durch Suchmaschinenoptimierung.

Rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr klingt nach Werbung für einen neumodischen Onlineshop aus dem Jahre 1999. Aber nicht nach 2018. Das Internet ist kein Ort den man Abends am heimischen PC bewusst mit seiner Familie besucht. Das Internet ist allgegenwärtig und findet ganz bestimmt zu einem großen Teil außerhalb der Google-Universums statt. Eine erhöhte Sichtbarkeit durch “Suchmaschinenoptimierung” ist da Augenwischerei.

Wie passend ist da die Frage eines Kindes, ob man E-Mails eigentlich auch am PC schreiben kann. Der größte Gatekeeper in die Köpfe der Menschen ist heute das Smartphone. Dort muss der Handel stattfinden. Nicht in der Fernseh- oder Radiowerbung. Nicht auf Plakaten an Bushaltestellen. Hoffen wir das 2018 ein Umdenken stattfindet.