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Mein Name ist Sascha Seniuk. Für mich ist die Digitalisierung die Emanzipation des Kunden. Und so gehört meine Liebe nicht nur meiner Tochter, sondern auch modernen Technologien, die unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft voranbringen.

17.12.2017

Berufe die es schon morgen nicht mehr gibt

Eigentlich ist doch die Zeit der Jahresrückblicke. So habe ich heute einen Rückblick der besonderen Art gesehen. Es ging um Dinge , die es vor zehn Jahren an Weihnachten noch nicht gab. Dazu zählen neben dem IPad auch Firmen wie Uber oder Airbnb. Zwei Firmen die ganze Branchen umgekrempelt haben. Uber ist wohl das größte Taxiunternehmen der Welt und Airbnb die größte Hotelkette. Und all das ohne auch nur ein Taxi oder ein Zimmer zu besitzen.

Einen ähnlich radikalen Wandel macht auch der Handel durch. Man braucht kein einziges Produkt besitzen um den größten Marktplatz der Welt zu betreiben. Natürlich geht es um Amazon und natürlich besitzt Amazon auch eine verdammt große Anzahl an Produkten. Aber der eigentliche Umsatztreiber ist der Zugang zum Kunden. Die Plattform — den Kunden immer im Mittelpunkt. Das Geld wird nicht mehr mit dem Verteilen von Waren verdient. Die Marge ist verschwindend gering. Der Gewinn entsteht vielmehr durch eine Reihe an Services für den Kunden. Ein Kreislauf entsteht. Der Kunde bindet sich mehr und mehr an die Plattform. Alternativen verschwinden aus seinem Gedächtnis.

Leidtragender ist der lokale Handel. Sozusagen am Ende der Retail-Nahrungskette versucht er den vermeintlichen Preiskampf mitzugehen. Er glaubt so um seine Kunden kämpfen zu können. Immer billiger. Das es hier nur Verlierer geben kann sollte klar sein. Doch hält sich der kleine Händler in seinem Ladenlokal irgendeiner deutschen Provinzstadt an diesem Strohhalm fest.

Aber es findet doch ein Umdenken statt. Neben all der Schwarzmalerei gibt es Händler die die Zeichen der Zeit erkannt haben und umrüsten. Das Einkaufen wird zum Event — ein echtes Erlebnis. Es werden die gleichen Services wie im Internet angeboten. Besser noch — die räumliche Nähe zum Kunden bietet ganz andere Möglichkeiten für die die Internetgiganten jetzt erst aufrüsten. Same-Day-Delivery oder Click&Collect lässt sich auch mit einfachen Mitteln umsetzen.

Nur wer macht das Alles?

Seit es den Handel gibt bilden wir Einzelhandelskaufleute aus. Sie lernen alles was es für den Handel braucht. Teils über drei Jahre hinweg. In drei Jahren sind schon ganze Weltkonzerne von der Bildfläche verschwunden, weil sie die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben. Was macht eigentlich Nokia?

Und so möchte ich all den Auszubildenden zurufen: „Sucht Euch schnell was Neues! Euren Job wird es nicht mehr geben, wenn Ihr mit der Ausbildung fertig seit.“

Nun ist es sicherlich nicht ganz so schlimm. Jedoch ist dieser Beruf in seiner jetzigen Form nicht zukunftsfähig. Eben weil es den klassischen Handel in ein paar Jahren nicht mehr geben wird. Es fängt bei Self-Service-Kassen im Supermarkt an und geht bis hin zum heutigen Lieferservice irgendwelcher Onlinekaufhäuser. Ich brauche niemanden mehr um mir eine neue Waschmaschine zu kaufen. Steht alles im Internet, wird direkt zu mir nach Hause geliefert und auch noch angeschlossen.

Und überhaupt — Wenn ich mal einen Verkäufer brauche hat er sich doch eh wieder hinter den Regalen versteckt. Die Kassiererin im Supermarkt motzt mich schon wieder an, weil ich die Tüte Chips mit Karte zahlen will — kontaktlos! Man hat ein schlechtes Gewissen Kunde zu sein.

Von einem Modegeschäft weiß ich, dass dort bereits Tourismus-Fachleute eingestellt werden. Fachleute die aus dem Einkauf ein Erlebnis machen. Die dem Kunden wieder das Gefühl geben etwas besonderes zu sein. Emotionsloses anbieten von Warenmassen kann das Internet tausendmal besser. Aber Emotionen transportieren…

Selbstverständlich rüstet auch hier das Internet schon seit Jahren auf. Curated Shopping ist in aller Munde. Auch schon wieder ein Trend den der gemeine Einzelhandelskaufmann droht zu verschlafen. Dabei ist er es nicht mal selbst schuld. Sein Chef gibt die Richtung vor. Der macht allerdings das was er immer macht. Ware einkaufen und wieder verkaufen. Meinen Briefkasten mit ungewollten Papierbergen zustopfen. Er nennt es „Angebote der Woche“. Das er nicht mehr so viel Gewinn macht wie noch vor zehn Jahren ist allein das Internet schuld.